Das in Berlin angesiedelte Forschungsprogramm Art Histories and Aesthetic Practices. Kunstgeschichte und Ästhetische Praktiken zielt darauf, kunsthistorische Forschung jenseits der traditionellen Grenzziehungen auf einen globalen Horizont zu öffnen. Es schafft einen Dialograum, in dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Kontinente über die Perspektiven und Konturen einer pluralen Geschichte der Kunst und künstlerischer Praktiken austauschen. Dies bedeutet ein Gespräch zwischen islamischen, asiatischen, afrikanischen, europäischen oder lateinamerikanischen Kunstgeschichten sowie solchen Disziplinen, die sich mit der Geschichte der visuellen Kultur befassen. Hier können die Konnektivität weiter historischer Räume untersucht und komparative Fragestellungen verfolgt werden, dies erlaubt zugleich das Arbeiten in neuen Formaten der Forschung und neuen Formen von Kooperationen.

Der Begriff der Ästhetischen Praktiken soll dazu einladen, in transkultureller Perspektive sowohl gestalterische Tätigkeiten, Materialitäten als auch Transfer- und Transformationsprozesse zu untersuchen und damit kunsthistorische Forschung auf neue Fragen und Felder zu öffnen. Diese Fragen gelten den Dynamiken des Erzeugens und der Wahrnehmung von Objekten, Bildern und Architekturen, d.h. ebenso Aspekten der Produktion wie der Rezeption von Artefakten und reichen von ihrer Herstellung und Entstehung, ihrer ersten Wahrnehmung bis hinein in die Gegenwart, d.h. etwa zu ihrer musealen Aufbewahrung, Erforschung, Ausstellung, Unterdrückung, Neuinszenierung oder Überarbeitung.

Art Histories and Aesthetic Practices bezieht soziologische, historische, rechts- und religionswissenschaftliche, philologische und wissenschaftshistorische Fragen mit in die transregionale Erforschung ästhetischer Praktiken ein. Der chronologische Horizont des Programms reicht von der Frühzeit der Schaffung von Artefakten bis in die Gegenwart.

Art Histories and Aesthetic Practices. Kunstgeschichte und Ästhetische Praktiken strukturiert sich in vier thematische Felder: 1) Materialität und Technik 2) Mobilität und Übersetzung 3) Narrative und Display 4) Ort und Raum. Diese sollen nicht im Sinne einer Abfolge von Produktion, Zirkulation und einer folgenden Musealisierung bzw. Erforschung von Artefakten gedacht, sondern auf allen Ebenen dieser Prozesse untersucht werden. Sie sind Teil politischer, religiöser und sozialer Dynamiken, an denen die Artefakte als Akteure beteiligt sind, oder verschränken sich mit diesen. Ziel ist es daher, in transregionaler Perspektive die Trennung eines dualistischen Verfahrens der einerseits formalen und andererseits kontextuellen Analyse von Artefakten oder Objektkonstellationen zu überwinden.

Das Projekt ist eine Initiative des KHI in Florenz (Max-Planck-Institut) am Forum Transregionale Studien; es wird von Hannah Baader und Gerhard Wolf geleitet. Art Histories and Aesthetic Practices. Kunstgeschichte und Ästhetische Praktiken kooperiert mit den Staatlichen Museen Berlin, der Freien Universität, der Humboldt Universität sowie dem ICI Berlin und integriert das Programm Connecting Art Histories in the Museum (KHI Florenz/SMB). Durch die Einrichtung von mehreren Jahrestipendien für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, Workshops und Travelling Seminars soll ein internationales Netzwerk etabliert werden, das nachhaltig an der globalen Neubestimmung kunsthistorischer Fragestellungen mitwirkt.